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Jan.2011

Hamburg, Berlin, Marburg (dpa/tmn) –

Tief durchatmen, erleichtert aufatmen, da stockt einem der Atem – jeder kennt Sprachbilder, die mit dem Luftholen zu tun haben. «Doch die gesundheitliche Bedeutung des Atmens ist vielen Menschen wenig bewusst», sagt Gisela Schmachtenberg, Vorstandsvorsitzende der Arbeits- und Forschungsgemeinschaft für Atempädagogik/Atemtherapie (AFA) in Berlin.

Wer psychisch belastet oder muskulär verspannt ist, atmet meist flach und weit oben im Brustkorb. Geschieht das vorübergehend, ist es unbedenklich. «Dauerhaft flaches Atmen kann allerdings funktionelle Störungen wie Verdauungsprobleme oder sogar Herz-Rhythmusstörungen nach sich ziehen», erklärt die Hamburger Atemtherapeutin Britta Jacob.

Beim richtigen Luftholen geht es nicht etwa darum ständig laut pustend Ein- und Auszuatmen. Auch wird in der Atemtherapie nicht die eine, richtige Art zu Atmen vermittelt: «Der Atem jedes Menschen ist so individuell wie sein Fingerabdruck», sagt Frau Jacob. Außerdem verändert er sich je nach Lebenslage und Situation. In guter Stimmung atmen wir instinktiv richtig: nämlich tief durch die Nase und mit dem Zwerchfell. Dieses hebt und senkt die Lunge, dabei hebt und senkt sich

auch die Bauchdecke deutlich sichtbar. «Unsere inneren Organe werden hierbei förmlich massiert», sagt Frau Jacob. Außerdem fließt so ausreichend Sauerstoff in den Körper und der Stoffwechsel wird angeregt.Atemtherapie hilft Menschen, die unter Atemwegerkrankungen wie Asthma oder Bronchitis leiden; Migräne, Gelenk- und Muskelschmerzen haben. Bei schweren unheilbaren Krankheiten wie Lungenfibrose kann sie dazu beitragen, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und Beschwerden zu lindern. Schauspieler, Musiker oder Lehrer können Atemtherapie nutzen, um ihre Stimme zu kräftigen. Auch in Fällen von Panikattacken, Burn-Out und Depressionen wird die Therapie eingesetzt.

Je nachdem aus welchem Grund der Patient zum Therapeuten kommt, wird dieser versuchen ihm mit Atemmassage oder geführtem Atmen weiterzuhelfen. «Es geht immer darum, innere Freiräume zu erschaffen», erklärt Britta Jacob. Bei der Atemtherapie steht die Schärfung der Körperwahrnehmung im Vordergrund. Es geht darum, in der Lage zu sein,dem Atem und damit sich selbst besser nachzuspüren. Dabei hilft beispielsweise folgende Übung: Man stellt die Füße hüftbreit auseinander, die Knie sind gelöst. Nun verlagert man das Gewicht auf einen Fuß, senkt sich ab und atmet ein. Beim Ausatmen wieder aufrichten. Es gilt darauf zu achten, dass man den Atem nicht erzwingt, sondern, dass man ihm vielmehr mit den Bewegungen folgt. Entspannend wirkt auch kräftiges Gähnen, Dehnen und Strecken. Wer viel am Schreibtisch arbeitet, sollte zwischendurch die Schultern kreisen lassen. Eine aufrechte Sitzhaltung und eine gekräftigter Beckenboden helfen ebenso beim freien Luftholen.

Die Atemtherapie entstand Anfang des 20. Jahrhunderts aus fernöstlichem Atemwissen, westlichen Atemlehren und Elementen von Gymnastik, Tanz und Psychotherapie. Eine der bekanntesten Atemtherapeutinnen war Ilse Middendorf. Sie ist die Begründerin des «Erfahrbaren Atems». Heute gibt es viele unterschiedliche Atemschulen. Im Dachverband der AfA sind allein sieben Methoden vertreten, darunter «Atemarbeit nach Cornelis Veening» oder «Eutonie Gerda Alexander».

Auch in der Psychosomatik und Psychotherapie wird dem Atem große Bedeutung beigemessen. «Das selbständige Atmen nach der Entbindung ist schließlich das bedeutsamste Ereignis unseres Lebens», erklärt Professor Wolfram Schüffel, der viele Jahre die Psychosomatische Klinik des Zentrums für Innere Medizin der Philipps-Universität Marburg leitete. Schüffel behandelt in seiner Praxis Menschen mit Beschwerden, deren Ursache nicht durch einen klinischen Befund zu klären ist, dazu zählen etwa Herzrasen, Atemnot, aber auch Panikattacken oder Depressionen. Dabei wendete er die Methode der Funktionellen Entspannung (FE) an. Hier sollen durch bestimmte Bewegungen und bewusstes Atmen psychische Blockaden gelöst werden. Diese Entspannung ermöglicht den Zugang zu unbewussten, verdrängten Erfahrungen», erklärt Schüffel. Bei der FE geht es genau wie bei der Atemtherapie darum, eine verbesserte Selbstwahrnehmung zu erreichen.

Cornelia Wolter
Journalistin

Service:

Atemhaus
Britta Jacob
Wulksfelder Dorfstr. 192
22889 Tangstedt
Elebeken 4
Telefon: 040- 607 65 115
www.atemhaus.com

Arbeits- und Forschungsgemeinschaft für Atempflege
Wartburgstraße 41, 10823 Berlin
Telefon: 030 / 3 95 38 60
www.afa-atem.de